Verantwortung, Nähe, Routine und irgendwann die leise Frage, ob es das schon gewesen sein soll. Viele Physiotherapeuten lieben ihren Beruf und spüren trotzdem, dass ihnen etwas fehlt, welches sich nur schwer benennen lässt. Häufig ist es kein Mangel an Fachwissen und auch kein Mangel an Einsatz, sondern das Gefühl, im eigenen Berufsleben nicht mehr selbst am Steuer zu sitzen.
Grundlegend für diesen Beitrag ist der Gedanke, dass Freiheit im Physio-Beruf nicht bedeutet, weniger zu arbeiten oder den Beruf aufzugeben, sondern wieder selbst zu entscheiden, wie du denkst, wie du handelst und wofür du deine Energie einsetzt.
Zunächst klären wir, warum Freiheit für Physiotherapeuten überhaupt ein Thema ist. Anschließend schauen wir auf vier Formen von Freiheit, welche im Alltag eine Rolle spielen: die Freiheit im Kopf, die Freiheit in Entscheidungen, die Freiheit, die eigene Arbeitszeit nach dem Leben auszurichten, und die Freiheit, wieder gern zur Arbeit zu gehen. Danach zeigen wir, woran du merkst, dass dir Freiheit fehlt, und mit welchen kleinen Schritten du sie zurückgewinnen kannst.
Warum ist Freiheit überhaupt ein Thema für Physiotherapeuten?
Freiheit ist ein Thema, weil das Gefühl, selbst zu bestimmen, zu den Grundbedürfnissen eines Menschen gehört und weil es im Physio-Alltag leicht verloren geht, obwohl der Beruf an sich viel Sinn stiftet. Wer den ganzen Tag für andere da ist, vergisst schnell, dass auch die eigenen Entscheidungen Raum brauchen.
Die Psychologen Richard Ryan und Edward Deci beschreiben in ihrer Selbstbestimmungstheorie drei psychologische Grundbedürfnisse, welche für Motivation und Wohlbefinden entscheidend sind: Autonomie, also das Gefühl, selbst zu entscheiden, Kompetenz, also das Erleben, etwas gut zu können, und soziale Eingebundenheit, also die Verbindung zu anderen Menschen. Werden diese Bedürfnisse erfüllt, entsteht Motivation von innen heraus, werden sie dauerhaft vernachlässigt, sinken Antrieb und Wohlbefinden.
Für Physiotherapeuten ist dabei auffällig, dass zwei dieser drei Bedürfnisse im Beruf fast von allein erfüllt werden. Du erlebst täglich, dass deine Hände und dein Wissen etwas bewirken, und du bist Menschen so nah wie in kaum einem anderen Beruf. Das dritte Bedürfnis, die Autonomie, ist dagegen dasjenige, welches am leichtesten untergeht, weil du im Alltag vor allem auf den Menschen reagierst, welcher gerade vor dir auf der Liege liegt, und die eigenen Wünsche dabei leicht in den Hintergrund rücken. Genau hier setzt die Frage nach Freiheit an.
Freiheit im Kopf: Was heißt das im Praxisalltag?
Freiheit im Kopf bedeutet, dass deine Gedanken dir gehören, auch wenn dein Terminplan voll ist. Es geht nicht darum, weniger zu fühlen, sondern darum, selbst zu entscheiden, was du mit nach Hause nimmst und was im Behandlungsraum bleiben darf.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine ganz gewöhnliche Situation. Ein Patient kommt seit Wochen und wird kaum besser. Ohne diese innere Freiheit fährst du nach Feierabend nach Hause, gehst die Behandlung im Kopf ein weiteres Mal durch und fragst dich beim Abendessen, ob du etwas übersehen hast. Mit dieser inneren Freiheit nimmst du dir nach der Behandlung zwei Minuten, notierst, was du beim nächsten Mal ausprobieren willst, und legst den Gedanken damit bewusst ab. Der Patient ist dir genauso wichtig, aber der Abend gehört wieder dir.
Freiheit im Kopf heißt also nicht, abzuschalten, als wäre nichts gewesen, sondern einen Ort zu haben, an welchem die Gedanken warten dürfen, bis du sie wieder brauchst.
Freiheit in Entscheidungen: Warum Geld dabei eine Rolle spielt

Freiheit in Entscheidungen bedeutet, dass du zwischen Möglichkeiten wählen kannst, statt die erstbeste nehmen zu müssen. Ob du eine Fortbildung machst, welche dich wirklich interessiert, ob du deine Stunden anders verteilst oder ob du dir ein zweites Standbein aufbaust, hängt sehr oft weniger vom Wollen als vom finanziellen Spielraum ab.
Viele Physiotherapeuten beschäftigen sich mit Geld erst dann, wenn es knapp wird. Dabei ist gerade eine kleine Rücklage das, was Entscheidungen leichter macht, denn wer weiß, dass ein unerwarteter Monat nicht sofort zum Problem wird, entscheidet ruhiger und mit mehr Blick auf das, was ihm wirklich wichtig ist. Finanzielle Freiheit beginnt deshalb nicht mit einem großen Vermögen, sondern mit dem Gefühl, nicht jede Entscheidung aus Sorge treffen zu müssen.
Freiheit im Arbeitsalltag: Wenn sich die Arbeitszeit nach dem Leben richtet
Die dritte Form von Freiheit ist die greifbarste, denn sie betrifft deinen Kalender. Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, dass das Leben um die Arbeitszeit herum geplant wird: Der Arzttermin muss in die Mittagspause passen, der Urlaub in das Fenster, welches übrig bleibt, und der Einkauf in den Abend, an welchem noch Kraft dafür da ist.
Es geht aber auch andersherum. Es gibt Arbeitgeber, bei welchen du selbst festlegst, an welchen Tagen du wie viele Stunden arbeitest, wann du morgens beginnst und wann du Feierabend machst, wann du eine Pause einlegst und wann du Urlaub nimmst. Du entscheidest also, ob jeder Tag acht Stunden hat oder ob du deine Woche anders verteilst. Nicht das Leben richtet sich dann nach den Arbeitszeiten, sondern die Arbeitszeiten richten sich nach dem Leben.
Das ist kein Wunschdenken, sondern gelebte Praxis. Hausbesuch Physiotherapie zum Beispiel schreibt genau das in die eigenen Stellenangebote: Die Mitarbeiter suchen sich aus, an welchen Tagen sie wie viele Stunden arbeiten, die Arbeitszeiten sind selbst gewählt, und die Terminplanung liegt in der eigenen Hand. Im Team klingt das dann so: „In der Terminplanung ist man der eigene Chef." Wer wissen will, wie sich das konkret anfühlt, findet dort auch die Stimmen der Kollegen und die offenen Stellen in den einzelnen Versorgungsgebieten.
Und wenn du dich fragst, ob es so etwas auch in deiner Nähe gibt: Genau dabei helfen wir dir. Über unsere Stellensuche für Physios unterstützen wir dich kostenfrei dabei, einen Arbeitgeber zu finden, welcher zu deinem Leben passt, statt umgekehrt.
Freiheit, wieder gern zur Arbeit zu gehen
Die vierte Form von Freiheit ist vielleicht die wichtigste, denn sie betrifft die Frage, warum du diesen Beruf überhaupt gewählt hast. Freiheit bedeutet hier, dass du morgens nicht aus Pflicht in die Praxis gehst, sondern weil du weißt, wofür du es tust.
Christin Mackeldey, welche „Physios verdienen Freiheit" gegründet hat, bringt diesen Gedanken mit einem Satz auf den Punkt: „Physiotherapie ist mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung. Aber Berufung darf nicht ausbrennen." Wer sich daran erinnert, was ihn an diesem Beruf einmal begeistert hat, und gleichzeitig gut auf die eigene Energie achtet, findet häufig genau diese Freude wieder, welche im Alltag verloren gegangen ist.
Woran merkst du, dass dir Freiheit fehlt?
Ein fehlendes Gefühl von Freiheit zeigt sich selten in einem großen Moment, sondern in kleinen Zeichen, welche sich über Wochen sammeln:
- Du hast das Gefühl, den ganzen Tag nur zu reagieren, statt selbst etwas zu gestalten.
- Entscheidungen über Fortbildung, Arbeitszeit oder eigene Projekte schiebst du auf, weil dir der Spielraum fehlt.
- Deine Gedanken sind auch am freien Tag noch bei der Arbeit.
- Du erinnerst dich kaum noch daran, was dich an diesem Beruf einmal begeistert hat.
Erkennst du dich in mehreren dieser Punkte wieder, ist das kein Zeichen, dass du im falschen Beruf bist. Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass es sich lohnt, deinen eigenen Spielraum bewusst wieder größer zu machen.
Wie kommst du Schritt für Schritt zu mehr Freiheit?
Mehr Freiheit entsteht nicht durch einen großen Schritt, sondern durch viele kleine, welche du selbst in der Hand hast.
- Ein Abschluss für jeden Arbeitstag: Notiere dir nach der letzten Behandlung in zwei Sätzen, was offen ist, und lege den Zettel bewusst weg.
- Eine Entscheidung pro Woche, welche nur dir gehört: Das kann eine Fortbildung sein, welche du dir anschaust, ein Gespräch, welches du suchst, oder ein Abend, welcher fest für dich reserviert ist.
- Ein erster Blick auf deine Finanzen: Schreib einen Monat lang auf, wohin dein Geld fließt. Schon dieser Überblick schafft das Gefühl, wieder selbst zu entscheiden.
- Eine Erinnerung an dein Warum: Halte fest, welcher Moment dir in den letzten Wochen gezeigt hat, warum du diesen Beruf machst.
Warum heißt das Event „Physios verdienen Freiheit"?
Der Name beschreibt genau den Gedanken dieses Beitrags. Physiotherapeuten geben jeden Tag viel, und sie verdienen es, dabei selbst gesund, zufrieden und finanziell frei zu bleiben. Deshalb ruht das Programm von „Physios verdienen Freiheit" am 28. und 29. November in Leipzig auf zwei Säulen: der inneren Kraft mit Resilienz, Burnout-Prävention, Bewegung und Atmung sowie der finanziellen Bildung vom Umgang mit Geld über Steuern bis zum zweiten Standbein.
Nach den zwei Tagen begleitet dich die Online-Community ein Jahr lang bei der Umsetzung, und in jedem Ticket steckt ein zweites Ticket für eine Kollegin oder einen Kollegen, sodass ihr den Weg zu mehr Freiheit nicht allein gehen müsst. Die Teilnahme an der Online-Community ist rein optional, es besteht keine Pflicht. Durch die Teilnahme entstehen dir keine versteckten Kosten.
Häufige Fragen
Heißt Freiheit im Physio-Beruf, sich selbstständig zu machen?
Nicht unbedingt. Freiheit kann auch bedeuten, als Angestellter wieder mehr selbst zu entscheiden, wie du denkst, handelst und deine Energie einsetzt. Die Selbstständigkeit ist nur einer von vielen möglichen Wegen.
Muss ich weniger arbeiten, um mehr Freiheit zu haben?
Nein. Es geht weniger um die Zahl der Stunden als darum, ob du dich in deinem Berufsleben als jemand erlebst, welcher selbst gestaltet.
Was hat Geld mit Freiheit zu tun?
Eine finanzielle Rücklage vergrößert deinen Spielraum. Wer nicht jede Entscheidung aus Sorge treffen muss, kann freier wählen, zum Beispiel bei Fortbildungen oder einem zweiten Standbein.
Gibt es Arbeitgeber, bei denen ich meine Arbeitszeit selbst bestimme?
Ja. Es gibt Arbeitgeber, bei welchen du selbst festlegst, an welchen Tagen du wie viele Stunden arbeitest, wann du beginnst, wann du Pause machst und wann du Urlaub nimmst. Wenn du so eine Stelle suchst, melde dich gern über unsere Stellensuche, wir unterstützen dich kostenfrei.
Wo fange ich am besten an?
Mit einem kleinen Schritt, welcher sofort machbar ist, zum Beispiel mit einem bewussten Abschluss am Ende des Arbeitstags oder einem Monat, in welchem du deine Ausgaben aufschreibst.
Fazit
Was wir abschließend mitnehmen können ist, dass Freiheit im Physio-Beruf nicht bedeutet, weniger zu arbeiten oder den Beruf aufzugeben, sondern wieder selbst zu entscheiden, wie du denkst, wie du handelst und wofür du deine Energie einsetzt. Die Freiheit im Kopf, die Freiheit in Entscheidungen, die Freiheit, die eigene Arbeitszeit nach dem Leben auszurichten, und die Freiheit, wieder gern zur Arbeit zu gehen, hängen dabei eng zusammen, und jede davon lässt sich mit kleinen Schritten stärken.
Wenn du diesen Weg nicht allein gehen willst, findest du bei „Physios verdienen Freiheit" am 28. und 29. November zwei Tage, welche genau diesen Fragen gewidmet sind, und Kollegen, welche dieselben Fragen mitbringen.
